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Herobis Ende


Noch ist von Jakobus Blute

Kaum der Richtplatz reingespült,

Als nach Petrus heil′gem Haupte

Schon Herodis Mordstahl zielt;

Doch umsonst! nur an den Hütern

Hat er seinen Zorn gekühlt,

In Jerusalem für diesmal

Hat sein Spiel er ausgespielt.

 

Gut gespielt als ein Herodes,

Deren Haus voll Blutgeruch; —

Trieb den Ahn, den Kindermörder,

Einst ins Grab der Mütter Fluch,

Sah der Ohm vom Kopf des Täufers

Blutbespritzt sein Tafeltuch:

Schrieb nun Enkel auch und Neffe

Sich mit Blut in′s Bibelbuch.

 

Und wie eine Wetterwolke,

Wenn sie sich entladen hat,

Weiterfährt und im Gebirge

Grollet noch der Donner matt:

Also fährt er weg von Salem,

Seiner Mordgelüste satt,

Friedlich glänzt ein Regenbogen

Ueber der befreiten Stadt.

 

Denn der Böse fährt vorüber

Wie ein Wetter vor dem Herrn,

Eine finstre Donnerwolke,

Ohne Wesen, ohne Kern;

Aber wenn er ausgewittert

Längst am Horizonte fern,

Glänzt am Himmel still und milde

Der Gerechte wie ein Stem.

 

Doch die Wolke, wetterleuchten

Will sie fliehend noch einmal,

Nicht zu tödten, nur zu blenden

Mit dem eitlen Feuerstrahl;

Hoch auf Cäsareas Meerschloß

Thront der Fürst im Kaisersaal,

Festlich unter freiem Himmel

Baut man ihm sein Tribunal.

 

Die phönizischen Gesandten

Will er stolz empfangen dort,

Die, um Frieden ihn zu bitten,

Hergeschifft aus Tyrus Port;

Auch als Redner will er prunken

Vor dem Volk mit prächt′gem Wort;

Pauken und Drommeten schmettern

Schon im festlichen Akkord.

 

Seht! nun steigt er auf die Stufen,

Von der Sklaven Arm gestützt,

Schaut, wie er auf goldnem Throne

Als ein Imperator sitzt!

Ha! wie in der Morgensonne

Sein Gewand von Silber blitzt!

"Sei uns gnädig, Sohn des Himmels!"

Ruft die Schmeichlerzunft verschmitzt.

 

Jetzt erhebt er sich zur Rede,

Wie ihn Griechenkunst gelehrt,

Daß sie bald wie Donnerrollen,

Bald auf Zephyrflügeln fährt;

Lautlos hat das Volk im Kreise

Bis zum Schlüsse zugehört:

"Das ist eines Gottes Stimme!"

Ruft′s, von Heidenwahn bethört.

 

Hörst du′s, König, und zerreißest

Deine Kleider zürnend nicht?

Hörst du′s unter Gottes Himmel

Vor des Schöpfers Angesicht?

Weißt du, Fürst auf Davids Stuhle,

Was der Herr der Herren spricht:

"Meine Ehre keinem Andern!

Doch den Götzen mein Gericht!"*

 

Mein Gericht! — sein Racheengel

Schlägt ihn allem Volk zum Graus;

Den man kaum als Gott gepriesen,

Sterbend trägt man ihn nach Hans;

In des Halbgotts Eingeweiden

Halten Würmer ihren Schmaus:

"Das ist eines Gottes Stimme!"

Ruft die Nachwelt schaudernd aus.

 

Denn der Böse fährt vorüber

Wie ein Wetter vor dem Herrn,

Eine finstre Donnerwolke

Ohne Wesen, ohne Kern;

Aber wenn er ausgewittert

Längst am Horizonte fern:

Glänzt am Himmel still und milde

Der Gerechte wie ein Stern.



(* 30.01.1815, † 14.01.1890)




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