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Das Kind des Steuermannes


"Die Segel eingezogen,

und alle Mann aufs Deck!"

Der Sturm kommt angeflogen

aus finsterem Versteck;

die Wogen wälzen rollend

sich schon heran mit Macht;

der Donner regt sich grollend,

und Mittag wird zur Nacht.

 

Doch hinten steht im Schiffe

der Steuermann am Rad

und lenkt mit Blick und Griffe

des schwanken Kieles Pfad,

weiß klug vorbeizuhalten

am mörderischen Riff,

die Wellen kühn zu spalten;

denn ihm gehorcht sein Schiff.

 

O braver Seemann, zwinge

des Elementes Wut,

o wackres Schifflein, dringe

voran durch Sturm und Flut;

viel bange Herzen zagen,

und mit des Sturms Geräusch

mischt sich der Kinder Klagen,

der Frauen Angstgekreisch.

 

Doch still und unerschrocken

sitzt dort abseits ein Kind,

läßt ruhig sich die Locken

zerwühlen von dem Wind,

blickt stolz ins Meer vom Decke

als wie von einem Thron,

weiß nichts von Angst und Schrecke:

des Steuermannes Sohn.

 

Ihn fragt der Männer einer:

"Dir macht der Sturm nicht angst?

Sag an, wie kommt es, Kleiner,

daß du allein nicht bangst?"

Da wird von stolzem Feuer

des Knaben Wange rot:

"Mein Vater sitzt am Steuer,

drum hat es keine Not."

 

O starker Kinderglaube! -

Verstehst du′s, Gotteskind?

Ob um dein Schifflein schnaube

der ungestüme Wind,

der Himmel steht im Feuer,

die finstre Tiefe droht:

Dein Vater sitzt am Steuer,

drum hat es keine Not!



(* 30.01.1815, † 14.01.1890)




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