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O pflegt das Heimgefühl in euren Kindern


Den preis′ ich glücklich, der am eignen Herd

Genüge fand, und dem mit lautem Schlage

Das Herz tief in der Brust klopft, wenn ihm winkt

Des festgebauten Hauses blanker Giebel;

Ihm wird das Kleinste lieb, weil sich um alles,

Dem Efeu gleich, Erinn′rung freundlich rankt.

O pflegt das Heimgefühl in euren Kindern,

Und nährt ihn ihnen jenen stillen Sinn,

Durch den das vielbewegte Menschenherz

Zusammenwächst mit unscheinbaren Dingen,

Mit Kleinigkeiten, die die Welt verlacht.

Es drängt und treibt der Geist der Zeit nach außen,

Und rastlos jagen viele durch die Welt,

Nach neuen Reisen täglich neu verlangend,

Und ehe sich das Herz erschloß zur Blüte

Verwelkt es kümmerlich in kalter Brust.

Wer heimisch sich in seinem Hause fühlt,

Der fliegt nur gleich den Bienen in die Weite,

Um Honig einzusammeln für die Zelle

Und des erworb′nen Schatzes sich zu freu′n;

Auch wird nur der ein tüchtig Glied des Ganzen,

Der seine Kräfte übt im kleinen Kreis

Und frei sich fügen lernt in enge Schranken.

O pflegt das Heimgefühl in euren Kindern,

Der Tugend beste Pflanzstatt bleibt das Haus.



(* 21.07.1816, † 02.05.1896)




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