1810

 

Seh ich im verfallnen, dunkeln

Haus die alten Waffen hangen,

Zornig aus dem Roste funkeln,

Wenn der Morgen aufgegangen,

 

Und den letzten Klang verflogen,

Wo im wilden Zug der Wetter,

Aufs gekreuzte Schwert gebogen,

Einst gehaust des Landes Retter;

 

Und ein neu Geschlecht von Zwergen

Schwindelnd um die Felsen klettern,

Frech, wenns sonnig auf den Bergen,

Feige krümmend sich in Wettern,

 

Ihres Heilands Blut und Tränen

Spottend noch einmal verkaufen,

Ohne Klage, Wunsch und Sehnen

In der Zeiten Strom ersaufen;

 

Denk ich dann, wie du gestanden

Treu, da niemand treu geblieben:

Möcht ich, über unsre Schande

Tiefentbrannt in zorngem Lieben,

 

Wurzeln in der Felsen Marke,

Und empor zu Himmels Lichten

Stumm anstrebend, wie die starke

Riesentanne, mich aufrichten.


Der Text des Gedichts "Zorn" stammt von (* 1788-03-10, † 1857-11-26).




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