Nun ziehen Nebel, falbe Blätter fallen,

Öd alle Stellen, die uns oft entzücket!

Und noch einmal tief Rührung uns beglücket,

Wie aus der Flucht die Abschiedslieder schallen.

 

Wohl manchem blüht aus solchem Tod Gefallen:

Daß er, nun eng ans blühnde Herz gedrücket,

Von roten Lippen holdre Sträuße pflücket,

Als Lenz je beut mit Wäldern, Wiesen allen.

 

Mir sagte niemals ihrer Augen Bläue:

"Ruh auch aus! Willst du ewig sinnen?"

Und einsam sah ich so den Sommer fahren.

 

So will ich tief des Lenzes Blüte wahren,

Und mit Erinnern zaubrisch mich umspinnen,

Bis ich nach langem Traum erwach im Maie.


Das Gedicht "Trauriger Winter" stammt von (* 1788-03-10, † 1857-11-26).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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