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Morgengebet


O wunderbares, tiefes Schweigen,

Wie einsam ists noch auf der Welt!

Die Wälder nur sich leise neigen,

Als ging′ der Herr durchs stille Feld.

 

Ich fühl mich recht wie neu geschaffen,

Wo ist die Sorge nun und Not?

Was mich noch gestern wollt erschlaffen,

Ich schäm mich des im Morgenrot.

 

Die Welt mit ihrem Gram und Glücke

Will ich, ein Pilger, frohbereit

Betreten nur wie eine Brücke

Zu Dir, Herr, übern Strom der Zeit.

 

Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,

Um schnöden Sold der Eitelkeit:

Zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd

Schweig ich vor Dir in Ewigkeit.



(* 10.03.1788, † 26.11.1857)




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