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Die Lerche


1

 

Ich kann hier nicht singen,

Aus dieser Mauern dunklen Ringen

Muß ich mich schwingen

Vor Lust und tiefem Weh.

O Freude, in klarer Höh

Zu sinken und sich zu heben,

In Gesang

Über die grüne Erde dahin zu schweben,

Wie unten die licht′ und dunkeln Streifen

Wechselnd im Fluge vorüberschweifen,

Aus der Tiefe ein Wirren und Rauschen und Hämmern,

Die Erde aufschimmernd im Frühlingsdämmern,

Wie ist die Welt so voller Klang!

Herz, was bist du bang?

Mußt aufwärts dringen!

Die Sonne tritt hervor,

Wie glänzen mir Brust und Schwingen,

Wie still und weit ists droben am Himmelstor!

 

 

2

 

Ich hörte in Träumen

Ein Rauschen gehn,

Und sah die Wipfel sich säumen

Von allen Höhn -

Ists ein Brand, ists die Sonne?

Ich weiß es nicht,

Doch ein Schauer voll Wonne

Durch die Seele bricht.

Schon blitzts aus der Tiefe und schlagen

Die Glocken und schlängelnder Ströme Lauf

Rauscht glänzend her,

Und die glühenden Berge ragen

Wie Inseln aus weitem dämmernden Meer.

Noch kann ich nichts sagen,

Beglänzt die Brust,

Nur mit den Flügeln schlagen

Vor großer selger Lust!



(* 10.03.1788, † 26.11.1857)




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