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Die Hochzeitsänger


Fernher ziehn wir durch die Gassen,

Stehn im Regen und im Wind,

Wohl von aller Welt verlassen

Arme Musikanten sind.

Aus den Fenstern Geigen klingen,

Schleift und dreht sichs bunt und laut,

Und wir Musikanten singen

Draußen da der reichen Braut.

 

Wollt sie doch keinen andern haben,

Ging mit mir durch Wald und Feld,

Prächtig in den blauen Tagen

Schien die Sonne auf die Welt.

Heisa: lustig Drehn und Ringen,

Jeder hält sein Liebchen warm,

Und wir Musikanten singen

Lustig so, daß Gott erbarm.

 

Lachend reicht man uns die Neigen,

Auf ihr Wohlsein trinken wir;

Wollt sie sich am Fenster zeigen,

′s wäre doch recht fein von ihr.

Und wir fiedeln und wir singen

Manche schöne Melodei,

Daß die besten Saiten springen,

′s war, als spräng mirs Herz entzwei.

 

Jetzt ist Schmaus und Tanz zerstoben,

Immer stiller wirds im Haus,

Und die Mägde putzen oben

Alle lustgen Kerzen aus.

Doch wir blasen recht mit Rasen

Jeder in sein Instrument,

Möcht in meinem Grimm ausblasen

Alle Stern′ am Firmament!

 

Und am Hause seine Runde

Tritt der Wächter gähnend an,

Rufet aus die Schlafensstunde,

Und sieht ganz erbost uns an.

Doch nach ihrem Kabinette

Schwing ich noch mein Tamburin,

Fahr wohl in dein Himmelbette,

Weil wir müssen weiter ziehn!



(* 10.03.1788, † 26.11.1857)




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