Aus stiller Kindheit unschuldiger Hut

Trieb mich der tolle, frevelnde Mut.

Seit ich da draußen so frei nun bin,

Find ich nicht wieder nach Hause mich hin.

 

Durchs Leben jag ich manch trügrisch Bild,

Wer ist der Jäger da? Wer ist das Wild?

Es pfeift der Wind mir schneidend durchs Haar,

Ach Welt, wie bist du so kalt und klar!

 

Du frommes Kindlein im stillen Haus,

Schau nicht so lüstern zum Fenster hinaus!

Frag mich nicht, Kindlein, woher und wohin?

Weiß ich doch selber nicht, wo ich bin!

 

Von Sünde und Reue zerrissen die Brust,

Wie rasend in verzweifelter Lust,

Brech ich im Fluge mir Blumen zum Strauß,

Wird doch kein fröhlicher Kranz daraus! -

 

Ich möcht in den tiefsten Wald wohl hinein,

Recht aus der Brust den Jammer zu schrein,

Ich möchte reiten ans Ende der Welt,

Wo der Mond und die Sonne hinunterfällt.

 

Wo schwindelnd beginnt die Ewigkeit,

Wie ein Meer, so erschrecklich still und weit,

Da sinken all Ström und Segel hinein,

Da wird es wohl endlich auch ruhig sein.


Das Gedicht "Der irre Spielmann" stammt von (* 1788-03-10, † 1857-11-26).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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