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Abendständchen


Schlafe Liebchen, weils auf Erden

Nun so still und seltsam wird!

Oben gehn die goldnen Herden,

Für uns alle wacht der Hirt.

 

In der Ferne ziehn Gewitter;

Einsam auf dem Schifflein schwank,

Greif ich draußen in die Zither,

Weil mir gar so schwül und bang.

 

Schlingend sich an Bäum und Zweigen,

In dein stilles Kämmerlein

Wie auf goldnen Leitern steigen

Diese Töne aus und ein.

 

Und ein wunderschöner Knabe

Schifft hoch über Tal und Kluft,

Rührt mit seinem goldnen Stabe

Säuselnd in der lauen Luft.

 

Und in wunderbaren Weisen

Singt er ein uraltes Lied,

Das in linden Zauberkreisen

Hinter seinem Schifflein zieht.

 

Ach, den süßen Klang verführet

Weit der buhlerische Wind,

Und durch Schloß und Wand ihn spüret

Träumend jedes schöne Kind.



(* 10.03.1788, † 26.11.1857)




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