Ein Hering liebt eine Auster

Im kühlen Meeresgrund;

Es war sein Dichten und Trachten

Ein Kuss von ihrem Mund.

 

Die Auster, die war spröde,

Sie blieb in ihrem Haus;

ob der Hering sang und seufzte,

Sie schaute nicht heraus.

 

Nur eines Tages erschloss sie

Ihr duftig Schalenpaar;

Sie wollt im Meeresspiegel

Beschaun ihr Antlitz klar.

 

Schnell kam der Hering geschwommen,

Streckt seinen Kopf herein

Und dacht, an einem Kusse

In Ehren sich zu freun.

 

0 Hering, armer Hering,

Wie schwer bist du blamiert!

Sie schloss in Wut die Schalen,

Da war er guillotiniert.

 

Jetzt schwamm sein toter Leichnam

Wehmütig im grünen Meer

Und dacht: "In meinem Leben

Lieb ich keine Auster mehr!"


Das Gedicht "Eine traurige Geschichte" stammt von (* 1826-02-16, † 1886-04-09).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte