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Ein böser Traum


An Doris

 

Dort, Liebste, wo die Ruh nichts störet,

Die die Zufriedenheit mir schenket,

In jenem anmuthsvollen Busche

Vergnügte ich mich.

 

Die Zephirs hascheten sich scherzend;

Sie zischten, lispelnd, sich entgegen,

Wie sie in schatticht düstern Grotten

Die Spröden behorcht.

 

Harmonische Gesäng der Vögel

Befeurten die beglückte Liebe.

Im nahen Felde schlug die Wachtel;

Das Echo erscholl.

 

Ein Bach, der wie Kristallen blitzte,

Schlung sich gekrümmt durch zweene Felsen.

Mich lockte sein verliebtes Murmeln;

Hier setzt ich mich hin.

 

Die Sonne, stolz auf ihren Schöpfer,

Der ihr ein reines Licht geschenket,

Beschaut neugierig sich im Wasser;

Hier bricht sich das Licht.

 

Von Lust entzückt, lag ich am Bache.

Das liebliche Geräusch der Quelle

Lockt bald auf meine Augenlieder

Den Schlummer herab.

 

Das Auge, mit Verdruß sich schließend,

Blickt nur noch einmal nach dem Bache,

Die Farbenstralen, zu besehen:

Dann schließet es sich.

 

Gleich seh ich träumend Damis kommen.

Ich fürchte mich vor seinen Kriegen,

Weil Amor immer für ihn streitet:

Ich lief, und entkam.

 

Ich hielt mich hinter einem Baume,

Und sahe, schalkhaft, ihn mich suchen.

Er gieng vorüber, und ich küßte

Zum Danke, den Baum.

 

Gleich wach ich auf, und ach! mein Engel!

Küß niemals einen Baum im Schlafe!

Ich hatte meinen Freund im Arme,

Den hatt ich geküßt.



(* 25.11.1725, † 29.01.1782)




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