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Die Sommernacht


Nein! Nichts übertrifft doch die kühlenden Nächte,

Die Nächte nach hitzigen Tages des Sommers!

Erquickende Wollust durchdringet die Glieder,

Und stärkt und belebt!

 

Verführerisch tönen der Nachtigall Lieder;

Aus jedem Gebüsche schallt Wollust und Liebe;

Es rauschen die schwankenden Äste gelinder,

Und hören ihr zu.

 

Unzählige Blumen verhauchen hier Düfte!

Der wachen Viole, der taumelnden Rose

Balsamische, reine, gesunde Gerüche

Erfüllen die Luft.

 

Am blauen Gewölbe der oberen Lüfte

Erscheinet Diane, im blassen Gewande,

Mit Sternen umgeben, durchjagt sie den Himmel

Zwar schnell, aber still

 

Vom Schlafe verscheuchete Sorgen fliehn, schwindlicht,

Und kommen am Fenster des Nachbars zusammen,

Um gleich mit dem frühesten Strale der Sonne

Im Zimmer zu seyn.

 

Der Geizhals mag immer mit Sorgen sich schlagen!

Mir folgen nur wenig und kleinere Sorgen,

Noch sattsam bescheiden in ihrer Verfolgung.

Die Schultern umhüllt.

 

Ein durchsichtger Flor. Doch die streitbaren Scherze,

Anakreons, Gleimens und Hagedorns Scherze,

Bekämpfen, besiegen, verjagen die Sorgen,

Und klatschen sie aus.

 

Was hör ich? Dort rasselt der Wagen der Sonne!

Wo bist du Diane? In welcher Entfernung

Entfliehst du dem Lärme des kommenden Tages!

O schmerzliche Flucht!

 

Nein! Nichts übertrifft doch die kühlenden Nächte!

Und hätt ich des Nachts die Gesellschaft der Freunde,

Die itzt denen Tagen den Vorzug noch geben;

So lebt ich nur Nachts.



(* 25.11.1725, † 29.01.1782)




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