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An Damis (2)


Freund, könnte mir ein Lied gelingen,

Das schwülstig wär von Zärtlichkeit;

Vielleicht würd ich mit Beyfall singen,

Zum wenigsten für unsre Zeit.

Allein der Trieb, der mich entzündet,

Entsagt der Kunst und Schmeicheley.

Die Liebe, die mich Dir verbindet,

Hat keinen Glanz der Heucheley.

 

Dich, Gatte, den der Vorsicht Lenken

Zur Lust des Lebens mir ersah,

Beschloß sie, huldreich, mir zu schenken,

Sie thats, und sieh, mein Glück war da.

Ich weis sonst nirgends Lust zu finden,

Als die mir deine Liebe giebt.

Die will allein mein Herz empfinden,

Das Dich mehr, als sich selber, liebt.

 

Der Neigung Siegel sey mein Leben,

Das mir doch nur um Dich gefällt.

Ich sey dem Tode übergeben,

Wenn Dich, nur Dich mein Tod erhält.

O! laß Dir diese Treu gefallen,

Die ewig, wie der Himmel, ist,

Unschuldig, wie der Kinder Lallen,

Und zärtlich, wie Du selber bist.



(* 25.11.1725, † 29.01.1782)




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