Nach oben

Die Wahl des Lebens


Erste Betrachtung.

 

Wohl wähle, was Du wählest!

Ein Amt macht Dich verdient,

In Häusern wohnt die Ruhe,

Vom Meer her reizt Gewinn;

Die Landlust ist voll Unschuld,

Viel′ Reisen machen klug;

Die Armuth würzt die Speisen;

Den Reichthum nutze wohl!

Die Einsamkeit giebt Freiheit,

Die Ehe eignen Herd,

Die Kinder stillen Wünsche,

Und sorglos sein macht leer;

Die Jugend ist stets munter,

Das Alter klug und fromm.

Willst Du denn noch so wählen:

Todt oder nicht geboren?

Nein! es ist gut zu leben!

Drum so genieß Dein Leben

Und pflanz es sicher fort!

 

Zweite Betrachtung.

 

Welch Leben soll ich erwählen?

In Aemtern giebt′s Verdruß,

In Häusern schwarze Sorgen

Und auf dem Meer Gefahr;

Der Landbau, ach! ermüdet,

Die Reisen matten ab;

Beschwerlich ist die Armuth,

Der Reichthum doch noch mehr.

Die Ehe bringet Plagen,

Alleinsein ist nicht gut,

Die Kinder machen Sorgen,

Und keine haben schmerzt;

Die Jugendzeit ist närrisch,

Das Alter wieder schwach.

Ach, hätt′ ich wählen können:

Entweder nicht geboren,

Und? oder gleich gestorben?

Nur Phyllis zu vergnügen,

Strengt sich mein Ehrgeiz an;

Nur Phyllis zu besiegen,

Ist, was mein Herz sich wünschen kann,

Mit ihr das Loos der Erde theilen,

An ihrer Hand zum schönern Himmel eilen.



(* 25.08.1744, † 18.12.1803)




Bewertung:
0/5 bei 0 Stimmen

Kommentare

Mit dem Eintragen Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer angegebenen Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung einverstanden.
  • Noch kein Kommetar vorhanden!