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Die Perle


Es ging ein Mann zur Frühlingszeit

Durch Busch und Felder weit und breit

Um Birke, Buch′ und Erle;

Der Bäume, Grün im Maienlicht,

Die Blumen drunter sah er nicht.

 

Er suchte seine Perle.

Die Perle war seine höchstes Gut,

Er hatt′ um sie des Meeres Flut

Durchschifft, und viel gelitten;

Von ihr des Lebens Trost gehofft,

Im Busen sie bewahrt, und oft

Dem Räuber abgestritten.

 

Der arme Pilger! So wie er,

Geh′ ich zur Frühlingszeit umher

Um Birke, Buch′ und Erle;

Des Maies Wunder seh′ ich nicht;

Was aber, ach! was mir gebricht,

Ist mehr als eine Perle.

 

Was mir gebricht, was ich verlor,

Was ich zum höchsten Gut erkor,

Ist Lieb′ in treuem Herzen.

Vergebens wall′ ich auf und ab;

Doch find′ ich einst ein kühles Grab,

Das endet alle Schmerzen.



(* 02.09.1740, † 04.01.1814)




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