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Die verworfene Liebe


Ich habe genug.

Lust, Flammen und Küße

Sind giftig und süße

Und machen nicht klug.

Komm, selige Freyheit und dämpfe den Brand,

Der meinem Gemüte die Weisheit entwand.

 

Was hab ich getan!

Jetzt seh ich die Triebe

Der törichten Liebe

Vernünftiger an;

Ich breche die Fessel, ich löse mein Herz

Und hasse mit Vorsatz den zärtlichen Schmerz.

 

Was quält mich vor Reu?

Was stört mir vor Kummer

Den nächtlichen Schlummer?

Die Zeit ist vorbei.

O köstliches Kleinod, o teurer Verlust!

O hätt ich die Falschheit nur eher gewußt!

 

Geh, Schönheit, und fleuch!

Die artigsten Blicke

Sind schmerzliche Stricke;

Ich mercke den Streich.

Es lodern die Briefe, der Ring bricht entzwei

Und zeigt meiner Schönen: Nun leb ich recht frei.

 

Nun leb ich recht frei

Und schwöre von Herzen,

Daß Küssen und Scherzen

Ein Narrenspiel sei;

Denn wer sich verliebet, der ist wohl nicht klug.

Geh, falsche Syrene, ich habe genug!



(* 08.04.1695, † 15.03.1723)




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