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Winterlied


Warum so düster, Erdenraum?

Warum so kalt, so fremd?

Es deckt dich Schnee, du regst dich kaum

In deinem Totenhemd.

 

Mir glühts im Herzen immer licht —

Ob Sturm, ob Sonnenschein,

Wenn manchmal auch ein Bäumchen bricht,

Bald ist der Himmel rein! —

 

Doch sieh, da schmilzt das starre Eis,

Und rings zerfließt der Schnee,

Und auf den Fluren, erst noch weiß,

Ich frisches Grün erseh.

 

Da rief ich laut in meinem Traum

Vom Lenz zur Winterszeit:

O Sonnengold, o Purpursaum —

Wie seid ihr noch so weit!

 

Wo bist du noch, o Lüftchen lau,

Vom Frühlingshauch bewegt,

Doch — dem ist stets der Himmel blau,

Der ihn im Herzen trägt.



(* 20.08.1819, † 30.05.1904)




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