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Sieg


In Dämmerung die Erde ruht,

Und leise strömt die Wellenflut,

Und alles schweigt im dunklen Raum

Und schlummert tief und athmet kaum.

 

Da rauscht es von den Feldern auf,

Und Lerchen schwingen sich hinauf,

Und flattern aus mit Sang und Schall

Wie der Drommete Schlachtsignal.

 

Seht hin nach Ost! wie dicht und wild

Ein Meer von dunklen Wolken quillt;

Sie lagern sich zur Todesschlacht,

Und horch! wie laut der Donner kracht.

 

Und grimmer ballt die Wolkenfaust

Zum Kampfe sich, der Sturm erbraust,

Und drängt zurück das Morgenlicht,

Das glühend aus dem Himmel bricht.

 

Da aber strömts vom Berge her

So wie ein goldnes Flammenmeer,

Mit Waffenglanz, mit Siegessschwall,

Mit Morgenliedern, Sang und Schall.

 

Und aus der Erde wallt der Duft,

Der Hain erschallt, die Glocke ruft, -

Da fällt der Feind und wälzt sich tot

In seinem Blut - im Morgenrot! -

 

Und wenn einst so nach heißer Schlacht

Erliegt bei Zweifel Wolkennacht

Wenn einst der Menschheit Geisteslicht

Sich so die Bahn zum Siege bricht;

 

Wenn all die Nacht, im Blute tot,

Erglüht als helles Morgenrot; -

Dann möcht ich wol ein Flämmchen sein

Vom Feuermeer im Siegesschein;

 

Dann möcht ich laut als Sturm der Lust

Aufjauchzen mit beglückter Brust,

Dann braust ich hin wie Blitzesstral

Mit Siegesgesang durch Berg und Tal!



(* 20.08.1819, † 30.05.1904)




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