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Den Fürsten


Die Krone wankt, der Purpurmantel sinkt —

Ein Sturm der Freiheit noch — und beide fallen,

Des neuen Tages neue Sonne blinkt,

Des neuen Frühlings neue Lieder schallen.

 

Und wie ihr krampfhaft auch mit starrem Arm

Die Krone haltet und des Purpurs Hülle,

Die Frühlingslüfte wehen allzu warm,

Als daß sich nicht der Menschheit Glück erfülle.

 

Viel tausend Herzen schlagen allzu laut,

Als daß ihr länger noch vermögt zu träumen

Im Arme eurer sündenvollen Braut, —

Im Arm der Willkür — langer könntet säumen.

 

Die Zeit ist um, die blinde, trübe Zeit,

In der ihr herrschtet von geweihtem Throne,

In der die Menschheit in Ergebenheit

Die Ketten trug zu jammervollem Frohne.

 

Es kam der Tag, an dem der Geist erkannt,

Daß er zu lange schon die Last getragen,

In deren Druck des Kornes Flamm entbrannt,

Deß Feuerarme nun den Thron umschlagen.

 

Die Stunde schlug, in der nach langer Schmach

Die Menschheit ihre Würde will erkennen,

Das neue Licht, wenn auch noch klein und schwach,

Wird bald in tausend Jubelflammen brennen! —

 

Werft hin die Krone, schleudert sie vom Haupt!

Sie ist aus Gold, dem Volke abgezwungen,

Und eine Stirn, mit Blättergrün umlaubt,

Ist schöner als von Sündengold umschlungen.

 

Den Purpur auch — legt ihn auf ewig ab.

Er ist so rot von heißem Völkerblute —

Ein Bürgerkleid, ein grüner Wanderstab

Ist besser wol als Blutgewand und Knute.

 

Noch habt ihr Frist! Noch könnt ihr still und mild

Den heißen Kampf der freien Kraft versöhnen,

Noch könnt ihr schauen unsres Glückes Bild,

Und mit der Völker Dank das Haupt euch krönen.

 

Es steht bei euch, mit eines Wortes Klang

Dem Schmerz der Menschheit Linderung zu bringen,

So wie uns eurer Blindheit alter Zwang

Entflammen wird, das Schwert zum Kampf zu schwingen.

 

Es steht bei euch, wenn ihr uns Liebe sät,

Euch zu verklären in der Liebe Flammen-

So wie es auch bei euch, o Fürsten, steht,

Ob euch die Nachwelt suchend wird verdammen!



(* 20.08.1819, † 30.05.1904)




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