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Nachtsegen


Dämmrig wird′s auf allen Fluren,

Dunkel wird′s im Buchenhain

Alle Waldesvögel schlafen

Unter leisem Singen ein

 

Alle Tagesstimmen schweigen,

Aus den Wiesen steigt der Duft,

Und der braune Käfer surret

Durch die laue Sommerluft.

 

Und die bleichen Nachtphalänen

Flattern leis ohn Unterlaß,

Und des Taues Wonnetränen

Sinken still ins hohe Gras.

 

Doch die tiefgeheimsten Stimmen

Die der laute Tag verschlang,

Flüstern, murmeln, rauschen, singen

Ihren wundersamen Sang.

 

Und viel zage Menschenherzen -

Hat der Tag sie arm gemacht,

Arm an Glauben, arm an Lieben,

Macht sie reich die stille Nacht.



(* 11.02.1821, † 09.03.1902)




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