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Mittag


Rings alles still - wohin man horcht und späht,

Im schatt′gen Walde, wie auf lichter Flur;

Nicht einmal eines einz′gen Vogels Laut,

Kein Blattgesäusel, keines Hauches Wehn,

Denn die Natur hält ihren Odem an.

 

Weißglühend senkt die Sonne scheitelrecht

Ihr Strahlenmeer herab aufs stille All,

Und kein Gewölk am ganzen Horizont

Erspäht der Blick, nur eine weiße Flocke

Hängt leuchtend dort, ganz einsam, wie verloren,

Ganz regungslos im glühenden Azur.

 

"Es schlummert Pan", so redeten sie einst.

"Seid stille, stört den Geist des Waldes nicht."

Nun aber ist er tot, der alte Pan.

Und mit ihm sind gestorben der Dryaden

wie der Najaden gütige Gestalten,

Die schützend tief im Walde Wohnenden,

In grüner, quelldurchrauschter Einsamkeit, -

Dahin die ganze alte schöne Welt.

 

Du aber, Mensch, befolge noch das Wort;

Sei still in wunderbarer Mittagszeit,

Daß du den Traum des Waldes nimmer störst

Durch wüsten Lärm, und laß die Arbeit ruhen

Und ruhe selbst und träume. Es ist süß,

Ganz aufzugehen in das große Schweigen

Und eins zu werden mit der Natur.



(* 11.02.1821, † 09.03.1902)




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