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Der schwarze Tod


Erzittre Welt, ich bin die Pest,

ich komm′ in alle Lande

und richte mir ein großes Fest,

mein Blick ist Fieber, feuerfest

und schwarz ist mein Gewande.

 

Ich komme vom Ägyptenland

in roten Nebelschleiern,

am Nilusstrand im gelben Sand

entsog ich Gift dem Wüstenbrand

und Gift aus Dracheneiern.

 

Talein und aus, bergauf und ab,

ich mäh′ zur öden Heide

die Welt mit meinem Wanderstab,

ich setz′ vor jedes Haus ein Grab

und eine Trauerweide.

 

Ich bin der große Völkertod,

ich bin das große Sterben,

Es geht vor mir die Wassernot,

ich bringe mit das teure Brot,

den Krieg tu′ ich beerben.

 

Es hilft euch nichts, wie weit ihr floh′t,

ich bin ein schneller Schreiter,

ich bin der schnelle schwarze Tod,

ich überhol′ das schnellste Boot

und auch den schnellsten Reiter.

 

Dem Kaufmann trägt man mich ins Haus

zugleich mit seiner Ware;

er freut sich hoch, er lacht beim Schmaus,

ich steig′ aus seinem Schatz heraus

und streck′ ihn auf die Bahre.

 

Mir ist auf hohem Felsvorsprung

kein Schloß zu hoch, ich komme;

mir ist kein junges Blut zu jung,

kein Leib ist mir gesund genung,

mir ist kein Herz zu fromme.

 

Wem ich nur schau′ ins Aug′ hinein,

der mag kein Licht mehr sehen;

wem ich gesegnet Brot und Wein,

den hungert nur nach Staub allein,

den durstet′s, heimzugehen.

 

Im Osten starb der große Chan,

auf Indiens Zimmetinseln

starb Negerfürst und Muselmann,

man hört auch nachts in Ispahan

beim Aas die Hunde winseln.

 

Byzanz war eine schöne Stadt,

und blühend lag Venedig;

nun liegt das Volk wie welkes Blatt,

und wer das Laub zu sammlen hat,

wird auch der Mühe ledig.

 

An Nordlands letztem Felsenriff

in einen kleinen Hafen

warf ich ein ausgestorbnes Schiff,

und alles, was mein Hauch ergriff,

das mußte schlafen, schlafen.

 

Sie liegen in der Stadt umher;

ob Tag′ und Monde schwinden,

es zählt kein Mensch die Stunden mehr -

nach Jahren wird man öd′ und leer

die Stadt der Toten finden.



(* 22.01.1820, † 18.06.1905)




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