I

 

Uns ist zergangen der lieplîch sumer.

dâ man brach bluomen, da lît nu der snê.

mich muoz belangen, wenne sî mînen kummer

welle volenden, der mir tuot so wê.

Jâ klage ich niht den klê,

swenne ich gedenke an ir wîplîchen wengel,

diu man ze vröide so gerne ane sê.

 

II

 

Seht an ir ougen und merkent ir kinne,

seht an ir kele wîz und prüevent ir munt.

Si ist âne lougen gestalt sam diu minne.

mir wart von vrouwen so liebez nie kunt.

Jâ hât si mich verwunt

sêre in den tôt. ich verliuse die sinne.

genâde, ein küniginne, du tuo mich gesunt.

 

III

 

Die ich mit gesange hie prîse unde kroene,

an die hât got sînen wunsch wol geleit.

in gesach nu lange nie bilde alsô schoene

als ist mîn vrowe; des bin ich gemeit.

Mich vröit ir werdekeit

baz danne der meie und alle sîn doene,

die die vogel singent; daz sî iu geseit.


Das Gedicht "XXV. Uns ist zergangen" stammt von   (1149 - 1221).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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