I

 

Wie sol vröidelôser tage

mir und sender jâre iemer werden rât?

sô ist daz aber mîn hoehste klage,

daz uns beide, an sange, an vröide, missegât.

Sît daz diu werlt mit sorgen sô gar betwungen stât,

maniger swîget nu, der doch dicke wol gesungen hât.

 

II

 

Ich was eteswenne vrô,

dô mîn herze wânde nebent der sunnen stân.

dur die wolken sach ich hô.

nû muoz ich mîn ouge nider zer erde lân.

Mich triuget alze sêre ein vil minneclîcher wân,

sît daz ich von ir niht wan leit und herzeswaere hân.

 

III

 

Wil si vrömden mir dur daz,

dazs ein lützel ist mit valscher diet behuot?

dêst ein swacher vriundes haz,

daz si mit den andern mir sô leide tuot.

Ez hoeret niht ze liebe ein sô kranker vriundes muot.

wil aber sî die huote alsô triegen, dâst uns beiden guot.


Das Gedicht "XXIX. Wie sol vröidelôser tage" stammt von   (1149 - 1221).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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