I

 

Diu vil guote,

daz si saelic müeze sîn!

wê der huote,

diu der welte sô liehten schîn

An ir hât benomen, daz man si niht wan selten sêt,

sô diu sunne, diu des âbendes under gêt.

 

II

 

Ich muoz sorgen,

wen diu lange naht zergê

gegen dem morgen,

daz ichs einest an gesê,

Mîn vil liebe sunnen, diu mir sô wunnenclîchen taget,

daz mîn ouge ein trüebez wolken wol verklaget.

 

III

 

Swer der vrouwen

hüetet, dem künde ich den ban;

wan durch schouwen

sô geschuof si got dem man,

Daz si waer ein spiegel, al der werlde ein wunne gar.

waz sol golt begraben, des nieman wirt gewar?

 

IV

 

Wê der huote,

die man reinen wîben tuot!

huote machet

staete vrouwen wankelmuot.

Man sol vrouwen schouwen unde lâzen âne twanc.

ich sach, daz ein sieche verboten wazzer tranc.

 

V

 

Ascholoie

diu vil guote heizet wol.

erst von Troie

Paris, der si minnen sol.

Obe er kiesen solde under den schoenesten, die nu leben

sô wurde ir der apfel, waer er unvergeben.


Das Gedicht "XVIII. Diu vil guote" stammt von   (1149 - 1221).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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