I

 

Wê, wie lange sol ich ringen

umbe ein wîp, der i c h noch nie wort zuo gesprach?

wie sol mir an ir gelingen?

seht, des wundert m i c h, wan es ê niht geschach,

Daz ein man also tobt, als ich tuon zaller zît,

daz ich sî sô herzeclîche minne

und es ê nie gewuoc und ir dient iemer sît.

 

II

 

Ich weiz vil wol, daz si lachet,

swenne ich vor ir stân und enweiz, wer ich bin.

sa zehant bin ich geswachet,

swenne ir schoene nimt mir sô gar mînen sin.

Got weiz wol, daz si noch mîniu wort nie vernam,

wan daz ich ir diende mit gesange,

sô ich beste kunde, und als ir wol gezam.

 

III

 

Owê des, waz rede ich tumme?

daz ich niht enrette als ein saeliger man!

sô swîge ich rehte als ein stumme,

der von sîner nôt niht gesprechen enkan,

Wan daz er mit der hant sîniu wort tiuten muoz.

als erzeige ich ir mîn wundez herze

unde valle vür sî unde nîge ûf ir vuoz.


Das Gedicht "XVI. Wê, wie lange sol ich ringen" stammt von   (1149 - 1221).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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