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X. Ich hân sî vür alliu wîp


I

 

Ich hân sî vür alliu wîp

mir ze vrowen und ze liebe erkorn.

minneclîch ist ir der lîp.

seht, durch daz sô hab ich des gesworn,

Daz mir in der welt niht

niemen solde lieber sîn.

swenne aber sî mîn ouge an siht,

seht, sô tagt ez in dem herzen mîn.

 

II

 

′Owê des scheidens, daz er tet

von mir, dô er mich vil senende lie.

wol aber mich der lieben bet

und des weinens, daz er dô begie,

Dô er mich trûren lâzen bat

und hiez mich in vröiden sîn.

von sînen trehenen wart ich nat

und erkuolte iedoch daz herze mîn.′

 

III

 

Der dur sîne unsaelicheit

iemer arges iht von ir gesage,

dem müeze allez wesen leit,

swaz er minne und daz im wol behage.

Ich vluoche in, unde schadet in niht,

dur die ich ir muoz vrömde sîn.

als aber sî mîn ouge an siht,

sô taget ez in dem herzen mîn.

 

IV

 

′Owê, waz wîzent si einem man,

der nie vrowen leit noch arc gesprach

und in aller êren gan?

durch daz müet mich sîn ungemach,

Daz si in sô schône grüezent wal

und zuo ime redende gânt

und in doch als einen bal

mit boesen worten umbe slânt.′



(* 00.00.1150, † 00.00.1222)




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