I

 

Sach ieman die vrouwen,

die man mac schouwen

in dem venster stân?

diu vil wolgetâne

diu tuot mich âne

sorgen, die ich hân.

Si liuhtet sam der sunne tuot

gegen dem liehten morgen.

ê was si verborgen.

dô muost ich sorgen.

die wil ich nu lân.

 

II

 

Ist aber ieman hinne,

der sîne sinne

her behalten habe?

der gê nach der schônen,

diu mit ir krônen

gie von hinnen abe;

Daz si mir ze trôste kome,

ê daz ich verscheide.

diu liebe und diu leide

diu wellen mich beide

vürdern hin ze grabe.

 

III

 

Wan sol schrîben kleine

reht ûf dem steine,

der mîn grap bevât,

wie liep sî mir waere

und ich ir unmaere;

swer danne über mich gât,

Daz der lese dise nôt

und ir gewinne künde,

der vil grôzen sünde

die sî an ir vründe

her begangen hât.


Das Gedicht "VIII. Sach ieman die vrouwen" stammt von   (1149 - 1221).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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