Die Mutter
Geh′ schlafen, Tochter, schlafen!
Schon fällt der Tau aufs Gras,
Und wen die Tropfen trafen,
Weint bald die Augen naß!
Die Tochter
Laß weinen, Mutter, weinen!
Das Mondlicht leuchtet hell,
Und wem die Strahlen scheinen,
Dem trocknen Tränen schnell!
Die Mutter
Geh schlafen, Tochter, schlafen!
Schon ruft der Kauz im Wald,
Und wen die Töne trafen,
Muß mit ihm klagen bald!
Die Tochter
Laß klagen, Mutter, klagen!
Die Nachtigall singt hell,
Und wem die Lieder schlagen,
Dem schwindet Trauer schnell!
Das Gedicht "Sommerabend" stammt von Hans Schmidt (1854 - 1923).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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