Was soll die trunckne Feder schreiben?

Was aus des Hertzens Grunde quillt/

Worzu mich Lieb und Treue treiben/

Die Oder/ Mayn und Rhein beständigst unterhilt.

 

Nimm an diß Denckmahl meiner Hände

Du treue Freund- und Brüderschafft/

Der ich zu Diensten mich verpfände

So lang in diesem Leib ein Lebens-Athem hafft.

 

Der Brauch der Welt ist viel zu sagen/

Ich schweige was ich leiden muß:

Du kanst mein Hertz in deinem fragen/

Ob ich befreyet sey von Schmertzen und Verdruß.

 

Doch weil es so der Himmel schicket/

So müssen wir zufrieden seyn;

Wer weiß noch wo es uns gelücket/

Daß wir uns hier und dar zusammen finden ein.

 

Indessen leb in Lust und Freuden/

Du meiner Seelen halbes Theil/

Auff kurtzer Zeit betrübtes Scheiden

Folgt mit dem Wieder-sehn erwünschtes Glück und Heyl.


Das Gedicht "Abschied von gutten Freunden" stammt von   (1646 - 1699).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte