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Weihnacht


In diesen Wochen heimlich aufgeblüht,

Des Kinderglaubens zarte Wunderblume -

Der keusche Kelch, wie lieblich er erglüht.

Ich knie vor dem vergeßnen Heiligtume

In holder Scheu, wie einst der Knabe, nieder

Und atme solche Segensdüfte wieder

Mit durstendem Gemüt

Und allen süßen Schauern ein.

 

Kein Laut von außen soll mich stören

Und kein Gedanke fremder Scham,

Dir reinen Herzens, kindlich zu gehören.

Ich lausch, durchs Wolkentor, den heiligen Himmelschören,

Dem Engelsgruß, der zu den Hirten kam,

Ich seh das Kreuz, vernehm des Heilands Stimme,

Und seh sein Blut, das auf die schlimme,

Die arge Welt wie lauter Rosen taut:

Ich sterb für dich, du meine süße Braut.

 

Kniet, Stolz und Trotz, die Stirne tief geneigt,

All euer Prahlen thront auf toten Grüften,

Daraus kein Hauch des ewigen Lebens steigt.

Hier badet euch in diesen holden Düften:

Dies zarte Blümlein, weiß und schlicht,

Es birgt in seinem Kelch das Licht,

Das alles Leuchten dieser Welt

Mit seinem Glänzen überhellt.

So hoch ihr steigt, von Schein zu Schein,

Das letzte Licht, es wird ein Wunder sein.



(* 11.01.1853, † 08.02.1916)




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