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Klagelied eines deutschen Dichters


Wohl euch, so lang ihr etwas werdet,

Und eure junge Kraft erprobt:

Man rühmt euch, wie ihr euch gebärdet,

Man findet′s löblich, wenn ihr tobt.

 

Doch weh, wenn etwas ihr geworden,

Wenn ausgegoren eure Kraft;

Wenn in der echten Sänger Orden

Mit Ruh′ und Tiefe nun ihr schafft.

 

O wie alsdann man euer Dichten

Mit einem andern Stabe misst,

Dann will euch jeder Knabe richten,

Der immer wird und niemals ist.

 

Dann seid ihr, wie der Sklav′ in Ketten:

Er tue recht - wen kümmert das?

Doch nichts kann vor dem Grimm ihn retten,

Wenn er nur Einmal sich vergaß.

 

So - schafft ihr Großes, schafft ihr Echtes?

Das ist ja nur verdammte Pflicht!

Doch machet Einmal nur nicht Rechtes:

Das duldet, das verzeiht man nicht.

 

Drum seufzt, wer Stümper ist gewesen,

Und nicht mehr ist: o wär′ ich′s noch!

Dann würde mich mein Deutschland lesen,

Und die Kritik, sie riefe: Hoch!



(* 19.06.1792, † 04.11.1850)




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