In einem Garne trug ein Fischer einen Aal

Nach Rom zu Markt und stieß auf seinem Gange,

Es war in einem engen Tal,

Auf eine fürchterliche Schlange;

Sie lag und wärmte sich im Sonnenstrahl.

Dem Fischer ward von Herzen bange;

Er sah umsonst sich um, der Pfad war allzu schmal.

Nichts als ein kühner Sprung kann seine Tage fristen.

Er tat ihn und entrann. Der Aal nahm alles wahr

Und sprach zum Fischer: wie, Barbar!

Die Natter läßt du sich stolz im Grase brüsten?

Sie, deren Gift so oft dem Menschen tödlich war?

Und mich verfolgt dein Netz? mich weihest du dem Tode?

Mich, der dir nie das kleinste Leid getan?

Ganz recht, versetzt der Mensch, dies ist bei uns die Mode:

Der Unschuld stellt man nach, das Laster fürchtet man.


Das Gedicht "Der Fischer, der Aal und die Schlange" stammt von   (1736 - 1809).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte