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Ich weiß: ich bin ein Leben


Ueber Wiesen, die am Stadtrand liegen,

Geh ich mit erfreuten Sinnen hin,

Drosseln schnärren – Wolken fliegen –

Im Sausewind rauschen, biegen

Sich die Hecken – grüne Gräser wogen, wiegen –

Und es schnärrt und saust und rauscht und wiegt in meinem Sinn:

Ich weiß, ich bin, ich bin!

 

Drüben von den hohen Schornsteintürmen flattern

Qualm-Fahnen über meine Lärm-Stadt hin:

Menschenvolle Straßenbahnen rattern

In der Ferne, Automobile knattern

Hart vorbei: es stampft und walzt in meinem Sinn:

Ich weiß, ich bin, ich bin!

 

Aus Lärm und Laub, aus meinem Schritt, aus Wolkenschweben,

Aus Millionen Wesen, die mich Mensch umbeben:

Verströmt ein frohverwandtes Aufwärtsheben,

Verströmt mir sausend in den Sinn:

Ich weiß, ich bin mit euch ein Leben!

Ich weiß, ich weiß: ich bin! ich bin!

 

Von nun ab geh ich durch die Häuserstraßen-Enge,

Die übervoll von Schritten, Hufen, Straßenbahn-Gebimmel,

Von nun ab geh ich durch die Promenaden-Menschenmenge,

Durch das frauen-, früchtebunte Wochenmarkt-Gewimmel,

Durch den Wald, durch Baum-Gedränge,

Durch die Morgen-, Mittagsstunden:

Wie mit elektrisiertem Leibe hin!

Wie mit elektrisiertem Leibe hin!

Ich freue mich, daß ich von Leben überall umbunden,

Daß ich zu diesem frohen Stolz gefunden:

Ich bin!



(* 21.10.1890, † 13.10.1918)




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