Nach oben

Frage


Nun Du!

Du neuer Blick und Atem gegenüber, –

Dir zwing ich meine Lippen, weil ich muß

Und sage:

Sieh mich an!

Gesicht laß ruhen in Gesicht,

Es geht nicht anders mehr.

 

Wo ist denn Schuld,

Daß Stirne nun an Stirne stößt,

Das Herz, das sonst in Einsamkeit hinfror,

In taubem Kummer sich verlor,

Im Drang die schwere Zunge löst,

Ergriffen stürzt:

Du Weib!

 

Schließ auf, schließ auf

Den engen Ring, der meine Brust umpreßt!

Der mich nicht atmen läßt,

Der mich zum qualgepflügten Boden niederwarf,

So oft ich meine Stirn erhob –

Du hast die Macht.

 

Du brauchst nur mit deinem Finger

An mein Herz zu rühren,

Damit es wieder sehend würde:

Und alle Türen, Horizonte, alle Himmel

Sprängen offen mir entgegen:

Ich schritte mächtig aus auf brausenden Wegen,

Bestürmt und durchschwellt,

Zu neuem Lebensland!

Zu deinem Herzen in der Welt!

 

Verbirgst du deine Hand?



(* 21.10.1890, † 13.10.1918)




Bewertung:
0/5 bei 0 Stimmen

Kommentare

Mit dem Eintragen Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer angegebenen Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung einverstanden.
  • Noch kein Kommetar vorhanden!