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Liebe und Tod


Ich sah dich an, wir standen dicht am Feind,

bereit zu schlagen war ich (für uns zwei

gab es nur diese Hoffnung) - so vereint

mit dem Geliebten doch, geliebt und frei.

 

lch sah dich an, als Brandung unsern Bug

an Felsen trieb, als nichts als Sturm und Not

und Angst war, hieß dich an mich klammern -

trug dich wie ein Boot - ob lebend oder tot.

 

lch sah dich an - dein Aug′ im Fieberglanz,

lagst du auf meinem Bett -, fiel auf die Knie,

vom Anschaun überwältigt, wollte ganz,

ja ganz dort bleiben, stürbest du so früh.

 

Die Erde bebte, schüttelte das Haus,

wie trunken schwankten Menschen und Natur,

nach wem späht′ ich da angstvoll suchend aus?

Nach dir - nach dir -, um dich zu retten nur.

 

Als mir die Sinne schwanden, als der Krampf

mich hilflos machte, aller Worte bar -

an dich - an dich allein - im Todeskampf

dacht′ ich - ach! öfter wohl, als heilsam war.

 

So viel und mehr und doch liebst du mich nicht,

und wirst es nie - ich weiß ja: unsern Trieben

befiehlt kein Wille, steuert keine Pflicht.

So muß ich wild, verkehrt, wahnsinnig lieben.

 



(* 22.01.1788, † 19.04.1824)




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