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Lebewohl


Lebe wohl, und seis auf immer,

Seis auf immer, lebe wohl!

Doch, Versöhnungslose, nimmer

Dir mein Herze zürnen soll.

 

Könnt ich öffnen dir dies Herze,

Wo dein Haupt oft angeschmiegt

Jene süße Ruh gefunden,

Die dich nie in Schlaf mehr wiegt.

 

Könntest du durchschaun dies Herze

Und sein innerstes Gefühl,

Dann erst sähst du: es so grausam

Fortzustoßen war zu viel.

 

Mag sein, dass die Welt dich preise

Und die Tat mit Freuden seh, -

Muss nicht selbst ein Lob dich kränken,

Das erkauft mit fremdem Weh?

 

Immer soll dein Herz noch schlagen,

Meins auch, blut es noch so sehr;

Immer lebt der Schmerzgedanke:

Wieder sehn wir uns nicht mehr?

 

Solche Worte schmerzen bitter

Als wenn man um Tote klagt,

Jeder Morgen soll uns finden

Im verwitwet Bett erwacht.

 

Suchst du Trost, wenns erste Lallen

Unsres Mägdleins dich begrüßt:

Willst du lehren Vater rufen

Sie, die Vaters Huld vermisst?

 

Alle meine Fehltritt kennst du,

All mein Wahnsinn fremd dir blieb;

All mein Hoffen, wo du gehn magst,

Welkt, - doch gehts mit dir, mein Lieb.

 

Lebe wohl! Ich bin geschleudert

Fort von allen Lieben mein,

Herzkrank, einsam und zermalmet, -

Tödlicher kann Tod nicht sein.

 

(aus dem Englischen von Heinrich Heine)


George Gordon Lord Byron
(* 22.01.1788, † 19.04.1824)




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