O, der Wahnsinn der großen Stadt, da am Abend

An schwarzer Mauer verkrüppelte Bäume starren,

Aus silberner Maske der Geist des Bösen schaut;

Licht mit magnetischer Geißel die steinerne Nacht verdrängt.

O, das versunkene Läuten der Abendglocken.

 

Hure, die in eisigen Schauern ein totes Kindlein gebärt.

Rasend peitscht Gottes Zorn die Stirne des Besessenen,

Purpurne Seuche, Hunger, der grüne Augen zerbricht.

O, das gräßliche Lachen des Golds.

 

Aber stille blutet in dunkler Höhle stummere Menschheit,

Fügt aus harten Metallen das erlösende Haupt.

 


Das Gedicht "An die Verstummten" stammt von (* 1887-02-03, † 1914-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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