2. Fassung

 

Mantel im schwarzen Wind. Leise flüstert das dürre Rohr

In der Stille des Moors; am grauen Himmel

Ein Zug von wilden Vögeln folgt;

Quere über finsteren Wassern.

 

Knöchern gleiten die Hände durch kahle Birken,

Knickt der Schritt in braunes Gehölz,

Wo zu sterben ein einsames Tier wohnt.

 

Aufruhr. In verfallener Hütte

Flattert mit schwarzen Flügeln ein gefallener Engel,

Schatten der Wolke; und der Wahnsinn des Baums;

 

Schrei der Elster. Altes Weiblein kreuzt den Weg

Ins Dorf. Unter schwarzem Geäst

O was bannt mit Fluch und Feuer den Schritt

Stummes Glockengeläut; Nähe des Schnees.

 

Sturm. Der dunkle Geist der Fäulnis im Moor

Und die Schwermut grasender Herden.

Schweigend jagt

Den Himmel mit zerbrochnen Masten die Nacht.

1. Fassung

 

Wanderer im schwarzen Wind; leise flüstert das dürre Rohr

In der Stille des Moors. Am grauen Himmel

Ein Zug von wilden Vögeln folgt;

Quere über finsteren Wassern.

 

Aufruhr. In verfallener Hütte

Aufflattert mit schwarzen Flügeln die Fäulnis;

Verkrüppelte Birken seufzen im Wind.

 

Abend in verlassener Schenke. Den Heimweg umwittert

Die sanfte Schwermut grasender Herden,

Erscheinung der Nacht: Kröten tauchen aus silbernen Wassern.


Das Gedicht "Am Moor" stammt von (* 1887-02-03, † 1914-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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