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Der Abschied


Meine alte, gute Mutter,

Die nähte die halbe Nacht;

Sie hat mir aus feinem Linnen

Ein feines Hemd gemacht.

 

Meine wunderschöne Schwester,

Die hat einen freien Sinn;

Die stickte mit stolzer Seide

Meinen stolzen Namen darin.

 

Und morgens, um halber viere,

Da hat der Hahn gekräht;

Nun schnüre seinen Ranzen,

Wer auf die Reise geht!

 

Und morgens, um halber fünfe,

Da hab ich meinen Vater geweckt;

Der hat drei rostige Kronen

In meinen Sack gesteckt.

 

Wir standen unter der Linde,

Da ward mein Herz so schwer;

Meine treue Mutter meinte,

Sie sähe mich nimmermehr.

 

Mein Vater ward so stille,

Meine Schwester schluchzte darauf -

Da ging in den Weizenfeldern

Die goldene Sonne auf.

 

Und vor den Toren klang es:

"Ade, du dumpfige Stadt!

Nun freue sich, wer ein freies,

Ein lustiges Leben hat!"



(* 17.02.1822, † 31.07.1856)




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