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Ich möchte hingehn wie das Abendrot


Ich möchte hingehn wie das Abendrot

Und wie der Tag mit seinen letzten Gluten -

O leichter, sanfter, ungefühlter Tod -

Mich in den Schoß des Ewigen verbluten!

 

Ich möchte hingehn wie der heitre Stern

Im vollsten Glanz, in ungeschwächtem Blinken,

So still und schmerzlos möchte gern

Ich in des Himmels blaue Tiefe sinken!

 

Ich möchte hingehn wie der Blume Duft,

Die freudig sich dem schönen Kelch entringet,

Und auf dem Fittig blütenschwangrer Luft

Als Weihrauch auf des Herrn Altar sich schwinget.

 

Ich möchte hingehn wie der Tau im Tal,

Wenn durstig ihm des Morgens Feuer winken -

O, wollte Gott, wie ihn der Sonnenstrahl,

Auch meine lebensmüde Seele trinken!

 

Ich möchte hingehn wie der bange Ton,

Der aus den Saiten einer Harfe dringet,

Und, kaum dem irdischen Metall entflohn,

Ein Wohllaut in des Schöpfers Brust verklinget.

 

Du wirst nicht hingehn wie das Abendrot,

Du wirst nicht hingehn wie der Stern versinken,

Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod,

Kein Morgenstrahl wird deine Seele trinken!

 

Wohl wirst du hingehn, hingehn ohne Spur,

Doch wird das Elend deine Kraft erst schwächen,

Sanft stirbt es einzig sich in der Natur,

Das arme Menschenherz muß stückweis brechen!



(* 31.05.1817, † 07.04.1875)




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