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Eine Phantasie


Der Weg von Freundschaft bis zur Liebe

Ist eine blumenreiche Flur:

Nie scheint uns da die Sonne trübe,

Und ringsum lächelt die Natur.

 

Sie leitet uns durch Rosengänge,

Und zeigt uns fern ein Paradies:

Und Harmonie macht durch Gesänge

Uns diese Frühlingsreise süss.

 

Wohin wir blicken, sehn wir Segen;

In jeder Pflanze, jedem Kraut

Lacht immer Freud' uns hold entgegen,

Und Hoffnung grünt, wohin man schaut;

 

Sie flicht aus ihrem eignen Kranze

Die schönsten Blätter uns ins Haar:

Und leicht umschwebt im leichten Tanze,

Gleich Elfen, uns der Wünsche Schaar.

 

Aus Wünschen werden endlich Triebe,

Ein Trupp, der stark uns mit sich zieht:

Und plötzlich sind wir in der Liebe

Nur allzureizendem Gebieth. -

 

Doch, ach, wie traurig und wie trübe,

Wie freudenlos, wie kalt und lang

Ist dann der öde Weg von Liebe

Zur Freundschaft! – Welch ein Uebergang!

 

Wenn Hindernis von allen Seiten

Den müden Wanderer bestürmt,

Und Berge von Unmöglichkeiten

Ihm das Geschick entgegen thürmt!

 

Da giebt es lauter öde Haiden,

Nicht Eine blumenreiche Flur:

Und statt der Hoffnung süsser Freuden

Geht Schwermuth uns zur Seite nur.

 

Kurz war der Weg hinan zum Glücke;

Der Liebesfreuden bunte Reihn

Verkürzten ihn: - doch, ach, zurücke

Geht man den langen Weg allein.

 

Noch glücklich, wem das Chor der Musen

Ein süsses Saitenspiel beschert,

Das manchmal dem gepressten Busen

Erleichterung und Trost gewährt!



(* 24.03.1768, † 24.07.1839)




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