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Das liebende Mädchen


Jüngling, wenn ich dich von fern erblicke,

Wird vor Sehnsucht mir das Auge nass:

Nahst du dich, so hält es mich zurücke

Wie mit Fesseln – und ich weiss nicht, Was?

 

Fern von dir hab' ich so viel zu klagen,

Und dir gegenüber sitz' ich stumm,

Kann dir nicht ein Sterbens-Wörtchen sagen,

Stammle nur, - und weiss doch nicht, Warum?

 

Stundenlang häng' ich an deinem Blicke:

Aber wenn der deinige mich so

Ueberrascht, fährt meiner scheu zurücke,

Will sich bergen, - ach! und weiss nicht, Wo?

 

Seh' ich dich mit andern Mädchen spassen;

O, dann möcht' ich arme Schwärmerinn

Meine Vaterstadt, mein Land verlassen,

Möchte fliehn, - und weiss doch nicht, Wohin?

 

Einsam lass' ich, statt mich zu zerstreuen,

Meinen Thränen ungestörten Lauf,

Wiege mich in süssen Träumereyen,

Freue mich, - und weiss doch nicht, Worauf?

 

Denke mir das höchste Glück auf Erden,

Das ein Mädchen sich nur wünschen kann,

Hoffe, dass sie einmal kommen werden

Diese Freuden, - ach, und weiss nicht, Wann?

 

Denke von zwey gleich gestimmten Seelen

Mir die schönste, reinste Harmonie,

Möchte dich aus einer Welt erwählen,

Theurer Jüngling! – ach, und weiss nicht, Wie?



(* 24.03.1768, † 24.07.1839)




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