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Das fruchtlose Beyspiel


Unser deutscher Kaiser

Ist ein edler Mann,

Seine Unterthanen

Hört er selber an,

 

Spricht dann den Bedrängten

Rath und Tröstung zu,

Sorgt, selbst wann sie schlafen,

Noch für ihre Ruh'.

 

So will er dem Staate

Tag und Nacht sich weihn,

Nur durch Müh' und Sorge

Erster Kaiser seyn.

 

Doch sein hehres Beyspiel

Frommt mir armen nicht.

Seit ich Nettchen kenne,

Kenn' ich keine Pflicht.

 

Immer schwebt ihr liebes

Bild mir vor dem Sinn,

Und mein ganzes Wesen

Füllt die Zauberinn.

 

Denn ich seh' in jedem

Nullchen ihr Gesicht;

Amtsconcepte werden

Lied und Sinngedicht.

 

Kind, du bist mir immer

Unaussprechlich lieb!

Gerne will ich dich nur

Denken; - aber gib

 

Meinen Sinnen täglich

Nur sechs Stunden Frist:

Liebe, gib dem Kaiser,

Was des Kaisers ist.

 

Antwort

 

Lieber! ich begehre

Weniger, als du;

Eine Stund' gewähre

Mir nur täglich Ruh,

 

Alle meine Lieder

Weih' ich willig dir.

Aber gib mir wieder

Meine Andacht mir:

 

Dass du, statt der Priester

Am Altar, mir nicht

Mit dem Versregister

Kommest vor Gesicht;

 

Der mir, im Zerstreuen

Meines Geists, Gebeth,

Psalm und Litaneyen

Zum Gedicht verdreht.

 

Gern geb' ich dem Kaiser,

Was des Kaisers ist:

Gib dann auch, du Weiser!

Gott, was Gottes ist.



(* 24.03.1768, † 24.07.1839)




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