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An einen Unbekannten


Bey einer Serenade in meiner Gasse

 

Wer du auch seyst, der itzt durch Schmeicheltöne

In stiller Nacht sein schlummernd Mädchen grüsst:

Du siehst sie nicht die heiss geweinte Thräne,

Die, ungesehen, mir vom Auge fliesst.

 

Wer weiss, ob dir von deines Mädchens Wangen

Ein gleicher Beyfall strömt? – O glücklich, fühlt

Die Arme nicht ihr redlich Herz von bangen

Empfindungen verkannter Treu durchwühlt!

 

Denn jedes deiner Instrumente schallet

Nur Liebe zu des Mädchens Ohren hin,

Und von der Lippe des Geliebten hallet

Ihr nie der schnöde Nahme – Heuchlerinn!

 

Mir tönt er nur – so laut! – dass er das Schöne

Von deinen Symphonien übertäubt;

Und mir vielleicht, auch wenn ich mich versöhne,

Auch dann noch ewig unvergesslich bleibt.

 

Doch dank' ich dir, und deinen Saitenspielen,

Dass nun besänftigter das Herz mir schlägt,

Und, wenn auch rasch, mit zärtlichen Gefühlen,

Gleich deinen Harmonien, sich verträgt.

 

Denn käm' er itzt, - Er, der mich heut beleidigt,

Mit halber Reue nur, von ohngefähr:

Ich glaub', ich küsst' ihn, eh' er sich vertheidigt,

Und eh' ihm noch von mir vergeben wär'.



(* 24.03.1768, † 24.07.1839)




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