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Vom Mäuslein


Die Köchin spricht zum Koch:

"Fang mir das Mäuslein doch!"

Es ist nichts sicher in Küch und Keller,

nicht in der Schüssel, nicht auf dem Teller.

Wo′s was riecht,

da ist es gleich,

wo′s was kriegt,

da frißt es gleich;

wo ein Braten dampft,

kommt das Mäuslein und mampft.

Unter der Bank

in den Küchenschrank

hat es gebissen ein Loch.

Koch, fang mir das Mäuslein doch,

und jag es wieder aus dem Haus,

in das freie Feld hinaus.

Da macht der Koch ein Gesicht,

und spricht:

"Mäuslein, Mäuslein,

bleib in deinem Häuslein!

Nimm dich in acht

heut nacht;

mach kein Geräusch

und stiehl nicht mehr das Fleisch:

Sonst wirst du gefangen

und aufgehangen."

Der Koch aber deckt zu alle

Schüsseln und stellt die Falle

hinten im Eck

und tut hinein den Speck.

Sperrt die Küche zu, geht und legt sich zur Ruh.

Das Mäuslein aber ist ruhig,

und wispert leis: das tu ich!

Aber es hat nicht lang gedauert,

so kommt schon das Mäuslein und lauert.

Und sagt: wie riecht der Speck so gut,

wer weiß, ob′s doch was tut?

Nur ein wenig möcht ich beißen,

nur ein wenig möcht ich speisen.

Einmal

ist keinmal!

So spricht fein Mäuslein und schleicht,

bis es die Falle erreicht. Duckt sich

und buckt sich,

schmiegt sich

und biegt sich

ins Eck,

und ergötzt sich

am Speck.

Reißt,

beißt

und speist.

Platsch, tut′s einen Knall

und - - - zu ist die Fall!

Das Mäuslein zittert vor Schrecken

und möcht sich verstecken.

Aber, so es will hinaus,

ist zugesperrt das Haus.

Es pfeift

und zappelt,

es kneift

und krabbelt.

Überall ist ein Gitter,

und das ist bitter.

Überall ist ein Draht,

und das ist schad.

Leider, leider

kann′s Mäuslein nimmer weiter;

wär′s nur gewesen gescheiter!

Unterdessen wird es Morgen,

da kommt die Köchin und will besorgen

den Kaffee

und den Tee.

Da sieht sie denn, was vorgegangen,

und wie das Mäuslein ist gefangen.

Ganz leis sacht

schleicht sie hin und lacht:

haben wir endlich doch erhascht

das Mäuslein, das immer von allem genascht.

Siehst du: Einmal

ist nicht keinmal.

Wärst du geblieben in deinem Loch,

gefangen hätte dich nicht der Koch!



(* 01.04.1812, † 24.12.1879)




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