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Der Mann von Schnee


Schneemann dort am Gartenzaune

Hat gar eine üble Laune.

Steht er da voll Trutz und Groll,

Weiß nicht, was er reden soll.

Und die Sonne blinkt und blitzt,

Daß er wie ein Kranker schwitzt.

Weil der Himmel ist so blau,

Aergert er sich braun und grau;

Weil die Wiesen werden grün,

Aergert er sich schmal und dünn.

Schneemann ist in großer Noth,

Denn es winkt ihm schon der Tod.

Noch ein Schnapper, noch ein Schnauf

Und er steht nicht wieder auf.

Kommen dann die schwarzen Raben,

Seine Leiche zu begraben.

Und Schneeglöcklein will vor Freuden,

Ihm die Sterbeglocke läuten.

Und die Lerch′ vor allen Dingen

Ihm ein Schlummerliedchen singen.

Aber wo ist er zu finden?

Vornen nicht, und auch nicht hinten.

Freilich, weil ihm ganz zerbrochen

An der Sonne seine Knochen,

Weil zu Wasser er zerronnen

An dem Glanz der goldnen Sonnen.

Kommt der Storch dazu geflogen,

Und die Schwalbe hergezogen,

Fragen nach dem todten Mann,

Niemand von ihm sagen kann:

Wälzt der Storch mit seinem Bein

An den Zaun hin einen Stein;

Und die Schwalbe mit dem Schnabel

Schreibt darauf die ganze Fabel:

Hier liegt Einer, der im Leben,

Weiter keinen Taug gegeben;

Der sich faul und sehr verstockt,

Lebenslang daher gehockt;

Und damit er doch nicht länger

Bleiben soll ein Müßiggänger,

Und ein Griesgram und ein Hasser,

Schmolz der Frühling ihn zu Wasser;

Und damit will er begießen

All′ die Blumen auf den Wiesen,

Daß sie weiß und gelb und grün

Euch zur Lust und Freude blüh′n.



(* 01.04.1812, † 24.12.1879)




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