Ein Greis, den Alter, Frost und Gram,

Und Gicht und Krampf und Hunger krümmten,

Dem oft sein bittres Weh die Lust zum Leben nahm,

Das Zeit und Schicksal ihm bestimmten,

Rief voller Ungeduld und Noth:

Ach! komm′ doch bald, gewünschter Tod!

Der Tod erschien, die Qual zu heben;

Da fleht′ er, aus verzagtem Sinn:

Freund, geht zu meinem Nachbar hin

Und laßt mich armen Alten leben.

 

So weibisch ist der meisten Herz;

Auch brechend wünscht es kaum zu sterben.

Verfolgung, Drangsal, Schimpf, Noth, Armuth, Krankheit, Schmerz,

Nichts wird dem Tode Gunst erwerben.

Ihn hält ein zärtlicher Mäcen

Auch auf der Folter nicht so schön;

Vielleicht starb Cato nicht gelassen.

Oft scheuet der, den Krebs und Aussatz frißt,

Der sein und andrer Scheusal ist,

Mehr als dies alles, sein Erblassen.


Das Gedicht "Der arme Kranke und der Tod" stammt von   (1708 - 1754).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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