O Mädchen, dein beseligend Angesicht

Übt größere Wunder als das Sonnenlicht!

Die Sonne kann uns nicht mit Glut erfüllen,

Wenn Nacht und Wolken ihren Glanz verhüllen,

Sie muß in ganzer Majestät sich zeigen,

In uns die Glut zu wecken, die ihr eigen.

 

Dich aber, Mädchen, brauch′ ich nicht zu sehn,

Um ganz in Glut und Wonne zu vergehn:

So strahlend lebt dein Bild in meinem Innern,

Ich brauche bloß mich deiner zu erinnern.

 

Ich glühe für dich - aber kalt bleibst du,

Und selber ruhig, - raubst du meine Ruh.

 

Oh, fühle selbst die Glut, die du entfachst,

Sei selbst so glücklich, wie du glücklich machst!


Das Gedicht "An Fatima" stammt von   (1819 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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